RIOT SKIRTS - WER WIR SIND UND WAS WIR WOLLEN

Wir befinden uns im Jahr 2008. Die ganze Republik ist von patriarchalen Mächten besetzt. Die ganze Republik? Nein! Ein von unbeugsamen Queer-Feminist_innen bevölkertes Örtchen im Rheinland setzt sich hartnäckig gegen sexistisches, homo- und transphobes Verhalten zur Wehr....---

 

Der Geschlechterdschungel

Sind Asterix und Obelix *Männer, *Frauen, Drag Queens oder keins von allem? Die Riot Skirts sind eine queer-feministische Gruppe aus dem Raum Köln/Bonn. Mit unseren Aktionen, Festen, Veranstaltungen und Filmreihen wollen wir einen Raum für Geschlechtervielfalt schaffen.
Wir kritisieren damit auch diese Gesellschaft, die Menschen ausschließlich in die Kategorien *Männer und *Frauen einteilt. Andere Identitäten wie Intersexuelle, Transgender, Drag Queens und Kings haben darin keinen Platz. Noch weniger Menschen die heute das eine morgen das andere und am dritten Tag gar kein Geschlecht haben.

Geschlechterrollen

Wenn Obelix lieber stricken will und Falbala Asterix lieber auf den Händen rumträgt als mit dem Arsch zu wackeln, fällt ihnen dann der Himmel auf den Kopf? Wenn *Mädchen Familie spielen wollen und *Jungen nur Fußball im Kopf haben, ist das nicht (nur) Ausdruck individueller Wünsche. Es ist auch Teil einer gesellschaftlichen Erziehung / Sozialisation. Denn so werden *Mädchen zu treu sorgenden Müttern und *Jungen zu durchsetzungsfähigen Familienoberhäuptern heran gezogen.
Allein aufgrund ihres „biologischen Geschlechts“ können alle Männer angeblich nicht zuhören und alle Frauen nicht einparken, gelten *Männer als stark, individualistisch und aktiv. *Frauen hingegen sollen fürsorglich, aufmerksam und passiv sein. Wer sich nicht in das Schema einfügt, muss mindestens mit Herabwürdigungen rechnen. Laute Frauen sind eben nicht durchsetzungsstark sondern hysterisch und empfindsame Männer werden schnell zu "Weicheiern". Wir lehnen solche Rollenzuschreibungen ab. Statt dessen möchten wir in einer Gesellschaft leben, in der alle Menschen sich so verhalten können, wie sie wollen, solange sie damit keinem anderen schaden.

Gesellschaftliche Diskriminierung von Nicht-*Männern

Maestria mischt das Dorf auf oder jeder kriegt was er verdient Wenn man sich Zahlen über Diskriminierung von *Frauen heute in Deutschland anguckt, scheint es manchmal als hätte sich im letzten Jahrhundert wenig verbessert: Noch immer verdienen *Männer in den gleichen Jobs durchschnittlich 25 Prozent mehr als *Frauen (BM...F, 2008). Jede dritte *Frau ist in ihrem Leben schon einmal Opfer von Gewalt durch einen *Mann geworden. Während die Führungsetagen von Firmen, Gremien und Parteien zu XXX Prozent von Männern besetzt sind, wird XXX Prozent der unbezahlten Hausarbeit und Kindererziehung von Frauen geleistet. Obwohl diese Fakten bekannt sind, meinen XXX Prozent der Bevölkerung, *Frauen wären doch heute „gleichberechtigt“. Doch die patriarchalen, d.h. männlich dominierten Strukturen haben sich trotz Wahlrecht und Bundeskanzlerin kaum geändert. Wir bekämpfen deshalb eine Gesellschaftsstruktur, die *Männer gegenüber allen, die nicht *männlich sind (Intersexuelle, Transgender, *Frauen etc.) systematisch übervorteilt und Gewalt und Diskriminierung begünstigt. Wir sind feministisch, weil wir uns nicht mit der Vorherrschaft von denjenigen abfinden, die als *Männer angesehen werden.

Verschränkung von Machtverhältnissen

Der Tag, an dem sich Asterix in einen Römer verliebte... Menschen werden nicht nur diskriminiert, weil sie keine *Männer sind. Auch andere Identitätsmerkmale wie Hautfarbe oder Herkunft, Klassen- oder Religionszugehörigkeit, sexuelle Orientierung, das Alter oder eine Behinderung bestimmen den Status in unserer Gesellschaft – sowohl individuelle als auch strukturell. Nicht umsonst sind fast alle Mächtigen in diesem Land heterosexuelle, weiße Männer aus der Mittel- oder Oberschicht, die einem christlichen Glauben anhängen. Sie sind die Vorbilder, die wir von von klein auf bewundern lernen, die Hauptpersonen in Filmen, Büchern und auf den Bühnen.

Machtverhältnisse greifen ineinander und sie sind äußerst komplex.
So kann es sein, dass eine deutsche Muslima, deren Eltern aus der Türkei eingewandert sind, keinen guten Job bekommt, oder als Lehrerin kein Kopftuch tragen darf und auf der Straße rassistisch angegriffen wird. Sie kann aber umgekehrt genauso Pol_innen diskriminieren oder Schwule und Juden hassen. Eindeutige Täter_innen und Opferrollen sind schwer zu verteilen.

Sexismus und Definitionsmacht

Sexualisierte Gewalt gegen *Frauen ist statistisch sehr häufig. Sei es der Griff an den Hintern, das "Kompliment" des Kollegen oder eine Vergewaltigung – fast jede *Frau war schon einmal einer Belästigung ausgesetzt. Erklärungen zur Verteidigung der Angreifer werden schnell gefunden: Er war betrunken, wollte nur Spaß machen, hat es nicht so gemeint, oder hat nicht gemerkt, dass sie nicht wollte. Sie ist die Spaßbremse, hat es provoziert oder trug einen zu kurzen Rock. Oder sie hat es sich nur ausgedacht, um dem *Mann zu schaden. Die Reaktion: Sexuelle Übergriffe werden häufig verschwiegen oder verharmlost.

Wir wollen dazu beitragen, ein Umfeld zu schaffen, in dem die Betroffenen nicht schweigen müssen. Dazu ist es wichtig, dass die Berichte von Betroffenen ernst genommen und geglaubt werden. Sie allein können definieren, ob es sich um eine Vergewaltigung oder einen Übergriff handelt. Wir wollen außerdem Diskussionen zum Thema sexualisierte Gewalt anstoßen. Nur wenn über das Thema gesprochen wird, kann Gewalt verhindert werden. Nur so können im Verfahrensweisen überlegt werden, die unabhängig von konkreten Vorfällen sind.